Leitbild

Umfeld und Themen

Die Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt (BGU) der Technischen Universität München (TUM) ist eine der führenden Institutionen für Forschung und Lehre in den Feldern des Bauingenieurwesens, Umweltingenieurwesens, der Geodäsie, der Angewandten Geowissenschaften und zugehörigen Bereichen. Sie ist in die Technische Universität München eingebunden, die mit ihren Fakultäten und Querschnittseinrichtungen einen hervorragenden Nährboden für interdisziplinäre Forschung bietet. Die Fakultät profitiert vom Standort München mit der Ludwig- Maximilian-Universität (LMU) und exzellenten außeruniversitären Einrichtungen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Sie pflegt die Zusammenarbeit mit diesen Einrichtungen über verschiedene Formate.

Eine ausreichende und nachhaltige Bereitstellung bebauter Welt, welche sich die Errungenschaften moderner Technik für die Ziele der Menschheit zunutze macht, ist für gesellschaftliche Entwicklungen und die Entfaltung menschlicher Kreativität eine zentrale Voraussetzung.

Die Fakultät befasst sich mit der bebauten Welt und dem nachhaltigen und kontrollierten Umgang mit dem Planeten Erde als Grundlage zur Sicherung der Existenz- und Sicherheitsbedürfnisse der Gesellschaft.

Die Themen der Fakultät werden in ihrem Leitbild - Bauen, Infrastruktur, Umwelt, Planet Erde - zusammengefasst.

Ingenieurfakultät

Die bebaute Welt wird maßgeblich durch Ingenieure geschaffen, erhalten und weiter entwickelt. Die Einflüsse von Gebäuden und Infrastruktursystemen auf die Umwelt werden durch Ingenieure mit Sorgfalt und Verantwortung geplant, beobachtet und gesteuert. Ein Kernelement der Ingenieurdisziplinen der Fakultät ist die Planung, Erstellung und Beobachtung von Prototypen, Einzelanfertigungen und komplexen Systemen, die mit ihrer Umgebung in starker Wechselwirkung stehen und diese signifikant beeinflussen und verändern, z.B. über eingeleitete Kräfte, Verbräuche, Emissionen oder eingeprägte Formen. Dies stellt ein Differenzierungsmerkmal zu anderen Ingenieurfakultäten dar und erfordert auf die speziellen Fragestellungen der Fakultät angepasste Methoden, Modelle und Systeme.

Die anwendungsorientierten Wissenschaftler aus dem Bereich des Bauingenieurwesens, Umweltingenieurwesens, der Geodäsie und der Angewandten Geowissenschaften sind dabei auch Moderatoren zu anderen Fachbereichen, insbesondere zu den weiteren Ingenieurdisziplinen, zu den Naturwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften, den Sozialwissenschaften und der Architektur. Erkenntnisse aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen finden ohne die Moderation durch Bau- und Umweltingenieure, Geodäten und Ingenieur- & Hydrogeologen nur schwer Eingang in die Weiterentwicklung der bebauten Welt.

Die Komplexität der verschiedensten Facetten bebauter Welt erfordert die Wechselwirkung unterschiedlichster Berufsprofile und menschlicher Talente, die durch die Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt und durch die Fakultät Architektur gemeinsam adressiert und gefördert werden. Da bei schaffen die spezifischen Kulturen beider Fakultäten mit zahlreichen Schnittstellen ein anregendes Umfeld, aus der die zukünftigen Akteure zur Weiterentwicklung von Gebäuden und Infrastruktursystemen hervorgehen. Die aktuelle Koexistenz der beiden Fakultäten ist eine wichtige Voraussetzung für die zielgerichtete Unterstützung und Entfaltung individueller Talente mit klaren Profilen und Kompetenzen.

Gesellschaftlicher Auftrag

Bau- und Umweltingenieure, Geodäten und Ingenieur- und Hydrogeologen mit universitärem Hintergrund bilden jene gesellschaftliche Gruppe, die sich mit Bauen, der Wechselwirkung der bebauten Welt mit der Umwelt und technischen Systemen der bebauten Welt in höchster Verantwortung und mit größter Tiefe befasst. Diese Gruppe trägt, in hochentwickelten Ländern wie Deutschland, maßgeblich Verantwortung für deutlich über 40% aller Energie- und Stoffverbräuche und 10 % der Wirtschaftsleistung, verbunden mit der Wertschöpfung von weit über einem Zehntel der Arbeitnehmerschaft.

Als einzige universitäre Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften und Geodäsie im Freistaat Bayern trägt die Fakultät daher eine besondere Verantwortung für Forschung und wissenschaftsorientiertes Lehren in allen relevanten Bereichen. Von ihr wird aufgrund ihrer Alleinstellung ein vollständiges Portfolio und - nicht nur punktuelle - Spitzenforschung erwartet.

Dabei profitiert sie von ihrer Alleinstellung im Großraum München und in Bayern als erster Ansprechpartner und versteht sich als Katalysator für den Übergang, die Implementierung und Nachverfolgung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Praxis. Sie ist auch zentraler Kontakt punkt für den Wissenstransfer zu Behörden, Kammern, berufsständischen Vertretern in allen Bereichen des Bau- und Umweltingenieurwesens, der Angewandten Geowissenschaften und der Geodäsie.

Die Professoren stehen dabei in der Verantwortung, ihre Expertise und ihr Wissen auch im Rahmen der Normung, politischen Entscheidungsprozessen und in der Weiterbildung von Ingenieuren einzubringen. Eine große Zahl ehemaliger Absolventen und Mitarbeiter der Fakultät nimmt nach erfolgreicher Promotion Schlüsselpositionen in Industrie und Verwaltung ein. Sie sind eine wichtige Säule für den Wissenstransfer und den Kontakt zwischen Fakultät und Praxis.

Die Fakultät steht damit in der langjährigen Tradition Bayerns, einem Land, das seit über 200 Jahren Vorbild für modernstes Management der bebauten Umwelt, der Infrastrukturentwicklung und des schonenden Umgangs mit Ressourcen und Natur ist und das mit den im Land entstandenen technischen Errungenschaften weltweite Sichtbarkeit erworben hat. Der inzwischen 145jährige Erfolg der Fakultät spiegelt sich in der hohen Qualität der bebauten und unbebauten Welt in Bayern wieder.

Die Fakultät stellt sich zukünftig auch den neuen Herausforderungen moderner demokratischer Gesellschaften, wie etwa der Kommunikation von Technikinhalten und der Implementierung technischen Fortschritts.

Umsetzung des Auftrags in der Forschung

Ziel der Fakultät ist die Balance zwischen Grundlagenforschung und höchstwertiger anwendungsorientierter Forschung. Nur mit der Abdeckung beider Felder kann die Fakultät ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden, an vorderster Front Wissenschaft zu betreiben und den Wissenstransfer in die Praxis zu ermöglichen.

Um dem Anspruch eines möglichst umfassenden wissenschaftlichen Portfolios gerecht zu werden, pflegt die Fakultät einen kontinuierlichen Diskussionsprozess und setzt notwendige Erweiterungen und Veränderungen um. Die Fakultät schafft fakultätsinterne Strukturen, die diese kontinuierlichen Veränderungsprozesse befördern und beweist, dass sie die Umsetzung aktiv gestaltet. So hat sie besonders im letzten Jahrzehnt eine große Zahl von neuen komplementären Feldern identifiziert, entwickelt und in die Fakultät integriert, welche weltweite Herausforderungen und konkrete gesellschaftliche Anforderungen reflektieren. Bezüglich der Ausrichtung der Fakultät gibt es daher derzeit (Stand 2013) kaum in der Breite vergleichbare Einrichtungen. Die Fakultät orientiert sich national am ehesten an der TU Dresden, der RWTH Aachen und dem KIT in Karlsruhe, europäisch an der ETH Zürich und der TU Delft, international am MIT und der Stanford University.

Die Fakultät verfolgt aktiv die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Einheiten und zu anderen Fakultäten. Sie trägt Sorge für die kontinuierliche Ausgestaltung und Verbesserung des innerfakultativen Kommunikationsprozesses. Im Rahmen dieses Prozesses werden laufend Potenziale für interdisziplinäre Verknüpfungen identifiziert und gezielte Kooperationen, Doppelmitgliedschaften, Leerprofessuren und gemeinsame Forschungsprojekte wie auch die Entstehung fakultätsübergreifender – in der Fakultät verorteter – Zentren angestoßen. Aktuell (Stand 2013) bündeln fünf Kernbereiche (Focus Areas) der Fakultät die For- schungsaktivitäten und schaffen einen Rahmen zur innerfakultativen Weiterent- wicklung. Die dort behandelten Themenstellungen bilden das Leitbild der Fakultät „Bauen, Infrastruktur, Umwelt, Planet Erde“ ab und fügen sich nahtlos in die Stra- tegie der TUM ein, wie sie im Rahmen der Exzellenzinitiative 2011 zum Ausdruck gebracht wurde.

Die Professoren der Fakultät bieten für ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter ein attraktives Umfeld, das es ermöglicht, die besten Talente für wissenschaftliche Arbeiten zu motivieren. Sie betrachten die Promotionsphase als eine eigenständige berufliche Tätigkeit in der Wissenschaft und nicht als weiteren Zyklus einer akademischen Ausbildung. Die Professoren tragen dafür Sorge, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse in hochwertigen international sichtbaren Formaten der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich gemacht werden.

Für die wissenschaftliche Arbeit und für die Implementierung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Praxis betreibt die Fakultät neben Lehrstühlen und Professuren umfangreiche Laboreinrichtungen. Diese stellen eine zentrale Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Bautechnik dar. Die Labore der Fakultät sind auch Kompetenzzentren für hoheitliche Aufgaben des Bauens, für Innovationen der Industrie und internationale Standardisierung. Sie finanzieren sich auch aus diesen Aufgaben und ermöglichen damit synergetisch eine adäquate Ausstattung für die wissenschaftliche Arbeit.

Umsetzung des Auftrags in der Lehre

Die Fakultät prüft kontinuierlich die Sortierung der vertretenen Disziplinen im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Berufsbilder und Studiengänge. Dabei reflektiert sie insbesondere auch die Nachhaltigkeit und langfristige Zukunftsfähigkeit der Berufsbilder und stellt sich gegen kurzatmige Trends. Die Professoren der Fakultät diskutieren die Erfordernisse der Gesellschaft, flankiert durch Aktivitäten und Reflektionen bei Stakeholdern, wie Behörden, Verbänden, Kammern und Ak- kreditierungsinstitutionen. Die Fakultät versteht sich dabei nicht nur als Partner der beruflichen Praxis, sondern als Vordenker für die Weiterentwicklung von beruflichen Profilen und Ausbildungssystemen. Sie schreibt somit die beruflichen Profile fort. Durch eine gute Informationspolitik und offene Diskussionen mit der beruflichen Praxis beugt sie den mit Änderungsprozessen oft einhergehenden Ängsten vor.

Die Fakultät setzt moderne Entwicklungen in der Lehre um. Sie war eine der ersten Fakultäten, die den Bolognaprozess implementiert hat und erachtet derartige Prozesse als Chance, sich proaktiv weiter zu entwickeln.

Die Fakultät bekennt sich zu breit aufgestellten Bachelorprogrammen in den Disziplinen des Bau- und Umweltingenieurwesens, der Geodäsie und der Ingenieur- & Hydrogeologie. Sie ist davon überzeugt, dass ein grundlagenorientiertes Fundament in den verschiedenen Disziplinen für die individuelle berufliche Entwicklung essenziell ist. Sie zieht daher breit aufgesetzte Studiengänge schmal fokussierten, nur bestimmte Themenfelder in den aktuellen beruflichen Bedarfen aufgreifenden Studiengängen vor.

Aus der Erkenntnis, dass für universitäre Ingenieurabsolventen der Bachelorabschluss nicht Ziel sondern Gelenkstelle zu Masterstudiengängen ist, betreibt sie konsekutive Masterstudiengänge.

Sie entwickelt aus dem gesamten Fakultätsangebot weitere nichtkonsekutive Masterprogramme für neue Schwerpunkte oder spezifische Berufsprofile. Dabei orientiert sie sich an Leitfragen, wie (i) inwieweit werden Absolventen von Masterstudiengängen mit Querschnittskompetenzen ausgestattet, die neue Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit eröffnen? (ii) können aus Alleinstel lungsmerkmalen und besonderen Kompetenzen der Fakultät hochattraktive Konstellationen in Masterstudiengängen zusammengefasst werden, welche die besten internationalen Studierenden an die Fakultät führen? oder (iii) können Inhalte für gute Antworten auf weltweite Herausforderungen zusammengefasst werden, z.B. auch im Hinblick auf Entwicklungshilfe?

Die Fakultät fördert die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen, welche die Studierenden auf die berufliche Weiterentwicklung im Rahmen des lebenslangen Lernens vorbereitet. Der offene und vertrauensvolle Dialog mit den Studierenden und deren Mitsprache stellen eine wesentliche Säule für die Weiterentwicklung der Studienangebote dar.

Die Fakultät fühlt sich in ihrem Weg der Lehre durch Rückmeldungen der Studierenden und aus der beruflichen Welt bestätigt, ruht sich dabei nicht auf positiven Bewertungen aus, sondern beobachtet in regelmäßigen Abständen ihre Einschätzungen über eine gute Pflege des Kontakts zu ihren Alumni.

Die Fakultät ist sich bewusst, dass in einer Exportnation der Bedarf an Ingenieuren in Wissenschaft und Praxis nicht mit der Bevölkerungsentwicklung korreliert. Sie reagiert daher auf den perspektivischen Ingenieurmangel, indem sie die Sichtbarkeit der Studieninhalte und die Internationalität verbessert, mit dem Ziel, die besten Talente weltweit für ihre Ingenieurstudiengänge zu begeistern.

Sie bekennt sich seit vielen Jahren nachhaltig zur Internationalisierung. So betreibt sie zahlreiche Kooperationen mit verschiedensten Universitäten innerhalb und außerhalb der Europäischen Union und wird diese weiter intensivieren. Zum Stand 2013 sind 7 von 12 Masterprogramme vollständig in englischer Sprache. In einem intensiven Diskussionsprozess wird - auch mit den Hauptbeteiligten der beruflichen Welt - ein Format zur Erweiter ung der Internationalität entwickelt, welches internationalen Studierenden ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen den Zugang zu allen Masterangeboten ermöglicht und sie wie die deutschsprachigen Studierenden auch für den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet.

Die Fakultät ist unter den deutschen Ingenieurfakultäten Benchmark für die Zahl der weiblichen Studierenden. Über neue attraktive Formate in Lehre und Darstellung der eigenen forschungsorientierten und praxisnahen Inhalte und eine Vielzahl von Aktivitäten auf unterschiedlicher Skala versucht sie, talentierte Menschen - unabhängig von Geschlecht und Herkunft - für ihre Studiengänge zu motivieren.

Die Fakultät betreibt ein professionelles Studiengangsmanagement und setzt sich zur Aufgabe, dieses laufend zu verbessern. Über eine zielgerichtete Arbeitsteilung und die Nutzung von innerfakultären Synergien trägt sie dafür Sorge, wissenschaftliche Mitarbeiter soweit möglich von Aufgaben in der Verwaltung und des Studiengangsmanagements zu entlasten.

Das Leitmotiv der Fakultät zielt darauf ab, ihren exzellenten Ruf zu erhalten und im nationalen wie internationalen Kontext weiter auszubauen. Die Fakultät versteht sich dabei als moderne Einheit, die in der Lage ist, sich über Transformationsprozesse den wandelnden gesellschaftlichen Herausforderungen und der daraus resultierenden Anforderungen an Wissenschaft und Lehre zu stellen.