Geodätisches Observatorium Wettzell

Bild: A. Neidhardt

Hochtechnologie zur Realisierung eines globalen Fundamentalpunktes im Bayerischen Wald

Das Geodätische Observatorium Wettzell im bayerischen Wald ist ein Eckpfeiler des globalen geodätischen Beobachtungssystems (GGOS) und realisiert einen stabilen Fundamentalpunkt zur Verankerung des internationalen terrestrischen Referenzbezugssystems. Hierzu werden Beobachtungen unterschiedlicher Messsysteme genutzt: Mit grossen Radioteleskopen wird die präzise Orientierung der Erde im Weltraum präzise vermessen, mit Laserdistanzmessungen zu Satelliten wird deren Bewegung im Schwerefeld der Erde untersucht, Empfänger der globalen Navigationssatellitensysteme registrieren kleinste Deformationen, der einzigartige Grossringlaser überwacht die Erdrotation, ein supraleitendes Gravimeter misst die Variationen der Schwere, ein Zeit- und Frequenzlabor stellt die genaue Zeitinformation für die Grossgeräte bereit und trägt zur internationalen Atomzeit bei. Die Hochpräzisionsmessungen dienen der Realisierung der metrologischen Grundlage zur Messung und Interpretation kleinster Veränderungen im System Erde wie dem globalen Anstieg des Meeresspiegels infolge der Klimaerwärmung.

Die Fundamentalstation wird seit über 40 Jahren gemeinsam durch die Technische Universität München und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) betrieben. Das Observatorium wurde im Rahmen des DFG Sonderforschungsbereichs 78 aufgebaut, der 1970 an der TUM eingerichtet wurde.

1983 wurde der SFB in die Forschungsgruppe Satellitengeodäsie (FGS) als Dauereinrichtung übergeführt, in dessem Rahmen das Observatorium bis heute betrieben wird. Neben der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie (FESG), dem Lehrstuhl für Astronomische und Physikalische Geodätische, dem Deutschen Geodätischen Forschungsistitut (DGFI), alles Institutionen der Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt der TUM, gehören der FGS als zentraler Partner das BKG sowie das Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn an. Sprecher der FGS ist Prof. U. Hugentober.

Ziel der FGS ist der Betrieb des Geodätischen Observatoriums Wettzell und dessen Weiterausbau unter Nutzung der neuesten technologischen und methodischen Entwicklungen. Die FGS stellt über die wissenschaftlichen Dienste der Internationalen Assoziation der Geodäsie (IAG) hochwertige Messzeitreihen zur Verfügung, analysiert, kombiniert und interpretiert die Daten und entwickelt die entsprechenden methodisch-theoretischen Grundlagen als Beitrag zur geodätischen Erdsystemforschung weiter. Sie gestaltet dadurch die internationalen Aktivitäten und den wissenschaftlichen Fortschritt auf diesen Gebieten entscheidend mit. Das Forschungs- und Entwicklungsprogramm wird alle fünf Jahre von einem internationalen Expertengremium evaluiert.