Social Tenure Domain Model

Grund und Boden ist ein kostbares Gut und dieses lässt sich nur begrenzt nutzen, weshalb eine nachhaltige Planung und Nutzung zwingend notwendig macht. Gerade in Ländern der südlichen Hemisphäre stoßen diese Planungsprozesse auf zahlreiche Hindernisse und Probleme, wenn es z.B. um die Verortung von Grundstücken geht. Anders als in Deutschland existieren vor allem in afrikanischen Ländern nur selten flächendeckende Kataster in welchen zweifelsfrei die Eigentümer zu finden sind. Auch der Eigentumsbegriff bezogen auf Land unterscheidet sich gravierend, da es oftmals Gemeinschaftseigentum gibt, welches ganz bestimmten Gesellschaftsregeln unterstellt ist.

Um diese komplexen Regelungen in Einklang mit formellen Grundbüchern und Katastern zu bekommen, welche in den meisten afrikanischen Ländern durch den Prozess der Kolonisation ebenfalls erhalten haben, existieren verschiedene Ansätze. Einer dieser Ansätze ist das sogenannte STDM (Social Tenure Domain Model). Innerhalb dieses Ansatzes werden mit einfachen Mitteln möglichst kostengünstig ein Eigentums bzw. Nutzungsverzeichnis der Gemeinschaft erstellt. Die Personen auf den jeweiligen Grundstücken erhalten anschließend ein Dokument, welches die jeweiligen Rechte festhält. Um Betrug oder falsche Kartierungen der Grundstücke zu vermeiden, arbeitet das STDM immer mit Zeugen im Feld, welche oftmals als direkte Nachbarn die Korrektheit der Flurstücksgrenzen bestätigen.

Damit die verbundenen Vermessungskosten der einzelnen Grundstücke innerhalb des STDM weiter reduziert werden können, wurde innerhalb des Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung der RBA (Rubber-Boot-Approach) entwickelt. Im Rahmen des RBA werden lokale und technisch affine Jugendliche zu Hilfsvermessern ausgebildet, welche nach ihrer Ausbildung mit Hilfe von einfacher Soft- und Hardware (Tablets oder Smartphones) die Vermessung im Feld durchführen. Auch wenn die Präzision dieser GPS-Geräte relativ ungenau ist, lässt sich hiermit besonders in ländlichen Regionen sehr gut arbeiten.

Der RBA und das STDM wurden bisher in Ghana und in Kenia in verschiedenen Projekten erfolgreich angewendet und war dabei mit Kosten von etwa 4,50€ je vermessene Parzelle (durchschnittlich circa 2 ha groß) verbunden. Aktuell wird dieser Ansatz auch in weiteren Studienprojekten in Kenia angewendet, um personenbezogene Informationen zum Eigentum und Feldgröße bei Subsistenzlandwirten zu erfassen.

Die flächendeckende Anwendung dieser Methoden ist zwar rechnerisch durchführbar, allerdings nicht umgesetzt. Bei einer Umsetzung wäre nach aktuellen Ergebnissen eine Vielzahl von weiteren Synergieeffekten möglich, wie zum Beispiel die Anerkennung dieser Dokumente bei Banken um Sicherheiten für Investitionen zu erhalten. Im Rahmen einer größeren Erhebung in Ghana hat sich hierzu gezeigt, dass die Landwirtschaftsbanken durchaus großes Interesse hätten diese Dokumente anzuerkennen und bei Investitionsprojekten die lokalen Kleinbauern finanziell zu unterstützen.

Derartige Sicherheiten für die Bank spiegeln ebenfalls Sicherheiten für die Landwirte wieder, welche sich mit formellen Dokumenten gegen Enteignungsprozesse oder Willkür bei den Grundstücksgrenzen wehren können. Deshalb kann mit Hilfe von STDM und RBA zu geringen Kosten ein hoher Mehrwert für lokale Landwirte erzielt werden, welcher sich auch positiv auf eine nachhaltige räumliche Planung und Entwicklung auswirken dürfte.

Kontakt:

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Tobias Bendzko
Technische Universität München
Lehrstuhl für Bodenordnung und Landentwicklung
Tel.: +49 (89) 289 – 25790
Mail: tobias.bendzko@tum.de