Was ist Geodäsie?

"Geodäsie" ist griechischen Ursprungs und setzt sich aus den Begriffen für "Erde" sowie "ich teile" zusammen. Einerseits geht es also um die Unterteilung der Erdoberfläche in Grundstücke zur Regelung der Besitzverhältnisse, andererseits aber auch um die Aufteilung in einfache geometrische Grundformen (Dreiecke), um die unregelmäßige Oberfläche unseres Planeten mathematisch beschreiben zu können.

Nach der klassischen Definition von Friedrich Robert Helmert (1880) ist die Geodäsie die "Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche". Diese Definition umfaßt die Bestimmung der geometrischen Figur der Erde, ihres Schwerefeldes sowie ihrer Orientierung im Weltraum. Nach DIN 18709-1 (Begriffe, Kurzzeichen und Formelzeichen im Vermessungswesen) zählt auch die Erfassung des Meeresbodens zu den Aufgaben der Geodäsie.

AUSMESSEN  —  ABBILDEN  —  NEUORDNEN

Obige Abbildung versucht, einen Bogen zu spannen zwischen den vielfältigen geodätischen Aufgabenstellungen und Disziplinen. Am Beginn steht die Rohdatengewinnung, d.h. die Vermessung der Erdoberfläche mitsamt den darauf befindlichen Objekten wie Häusern und Straßen. Je nach Ausdehnung und Zugänglichkeit des zu vermessenden Gebietes kommen dabei unterschiedliche Methoden zum Einsatz.

Das gewonnene Datenmaterial muß anschließend in eine anschauliche Form gebracht werden. Hierzu werden die vermessenen Objekte maßstäblich in einer Karte dargestellt, oder man nutzt sog. Geoinformationssysteme, die auch bei der Verwaltung und Analyse der Daten behilflich sind. Zuguterletzt soll aus den aufbereiteten Daten natürlich auch ein Nutzen gezogen werden. Dies kann die Neuregelung der Besitzverhältnisse an Grundstücken, aber auch die Absteckung eines Großbauprojektes, die Navigation von Fahrzeugen oder die Vorausberechnung von Satellitenbahnen sein.

Ein weiterer Bogen läßt sich aufspannen, wenn man die unterschiedliche Größe der zu vermessenden Objekte betrachtet, was in dem Slogan "Vom Grundstück zum Mars" zum Ausdruck kommt. Geodäten befassen sich einerseits mit der Erforschung fremder Planeten, andererseits aber auch mit der Festlegung von Grenzlinien beim Bürger vor Ort. Doch Grundstücke sind längst nicht die kleinsten Objekte, mit denen es Geodäten zu tun haben. Bei der Vermessung von Werkstücken in der Industrievermessung stoßen Geodäten auch in die Welt weit unterhalb des Millimeters vor.