Bodenordnung & Landentwicklung

Bodenordnung und Landentwicklung sind Disziplinen, die seit Jahrhunderten zu den Kernaufgaben der Geodäten gehören: schon die Kemptener Flurbereinigungsingenieure im 16. Jahrhundert waren Geometer! Bei der als "Kemptener Vereinödung" bekannten frühen Flurbereinigung wurden im Oberallgäu die Grundstücke und Besitzverhältnisse der Bauern neu geordnet und damit eine bessere Bewirtschaftung des zusammengefassten Besitzstandes ermöglicht.

Den Vorgang, der die Eigentums-, Besitz- und Nutzungsverhältnisse von Grund und Boden (die sog. subjektiven Rechtsverhältnisse) mit den objektiven Planungszielen in Übereinstimmung bringt und so private und öffentliche Interessengegensätze auflöst, bezeichnet man als dynamische Komponente der Bodenordnung. Bodenordnungsverfahren sind z.B. eine Flurneuordnung (nach Flurbereinigungsgesetz) oder eine Umlegung (nach Baugesetzbuch).

Bodenordnung in einem Flurneuordnungsverfahren. Die landwirtschaftlichen Hofstellen wurden erweitert und erhielten eine rückwärtige Erschließung
(Quelle: Glück, 1994: Wege zum Bauland, München, 181).

Die städtische Bodenordnung – ebenfalls eine geodätische Monopoldisziplin – entwickelte sich im 20. Jahrhundert aus der Flurbereinigung. Die Bodenordnung in Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) oder auch die städtebauliche Umlegung sind Instrumente, die eine Gemeinde in die Lage versetzen, ihre Planungsabsichten in die Tat umzusetzen. Hier spielen Fragen der Bewertung des Grund und Bodens eine wichtige Rolle.

Landentwicklung nach §1 FlurbG bedeutet die Verwirklichung der von Raumordnung und Landesplanung für den ländlichen Raum vorgegebenen Entwicklungsziele, also die Planung, Vorbereitung und Durchführung aller Maßnahmen, die dazu geeignet sind, die Wohn-, Wirtschafts- und Erholungsfunktion besonders des ländlichen Raumes zu erhalten und zu verbessern, um damit für die Förderung und die dauerhafte Verbesserung der Lebensverhältnisse zu sorgen. Um diese Ziele zu erreichen, arbeiten Geodäten in der Praxis unter anderem in den Ämtern für Ländliche Entwicklung und unterstützen Gemeinden durch ein umfassendes Landmanagement, die „Quadrophonie von Beraten, Planen, Bauen und Ordnen“.

Dorferneuerung ist eine umfassende Aufgabe der Landentwicklung