Ingenieurgeodäsie

Die Ingenieurgeodäsie steht für Anwendungen der geodätischen Messtechnik in zahlreichen Ingenieurdisziplinen – vor allem dem Bauwesen, der Architektur und zunehmend dem Maschinenbau, aber auch der Archäologie und Geologie.

GPS-Messung am Münchner Rathaus

Dabei ist der Ingenieurgeodät nicht erst bei der Bauausführung und -überwachung eingebunden, sondern bereits im Stadium der Planung: für verschiedene konkurrierende architektonische Entwürfe im Hochbau beispielsweise müssen nach einer Realisierbarkeitsstudie Detailkonzepte für die geometrische und statische Umsetzbarkeit entworfen werden. Dies ist Aufgabe von Bauingenieuren, Statikern, Montagefirmen und Ingenieurgeodäten.

Des Weiteren sind in dieser Phase bereits Simulationsrechnungen notwendig, die Aufschluss über den notwendigen Messaufwand und die erreichbaren Genauigkeiten liefern. Dabei wird auch die Entscheidung getroffen, welche der verfügbaren Messmethoden (z.B. GPS/GNSS, Tachymetrie, Nivellement, Laserscanning u.v.m.) zum Einsatz kommen. Außerdem sind Planungsgrundlagen in Form von Karten, Koordinaten, Profilen, Massenberechnungen etc. zu beschaffen, und eine Zustandsdokumentation zu führen.

Während der Bauausführung besteht die Aufgabe des Geodäten in der Übertragung der Planung in die Örtlichkeit (Absteckung), betroffene Anlagen sind messtechnisch zu überwachen, die Fertigung bzw. der Baufortschritt ist messtechnisch zu kontrollieren. Daneben sind Bauwerksbestand und geometrischer Bauwerkszustand fortlaufend zu dokumentieren.

In der Phase der Überwachung ist zu unterscheiden zwischen rein deskriptiven Messungen, die nur quantitative Aussagen über die Größe von Änderungen zum Ziel haben, und einer kausal motivierten Überwachung. Diese erstreckt sich auch auf die Ursachen von Änderungen (z.B. Kräfteverschiebungen) und bezieht diese auch in das Modell der Messung mit ein.

Neben der Überwachungsaufgabe kommen dem Ingenieurgeodäten während der Nutzungsphase auch noch andere Aufgaben zu, z.B. zur (laufenden) Instandhaltung und -setzung oder bei einer Umnutzung.