Vortrag "Neue Mobilität – neue Stadt? Wechselwirkungen zwischen neuen Mobilitätskonzepten und Stadtraum"

17.06.2021 | 18:30 per Livestream aus dem Oskar von Miller Forum | Barbara Lenz | Institut für Verkehrsforschung (DLR) | Berlin

Den Vortrag können Sie am 17. Juni um 18:30 Uhr im Player auf der Startseite unserer Website verfolgen (ohne Anmeldung). Der Player wird um 18:30 Uhr live geschaltet.

Das Leitbild der "Autogerechten Stadt" – dominierend in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts – scheint ungebrochen weiterzuwirken, allen Versuchen der Gegensteuerung zum Trotz. Mit dem Ziel, die Stadt flächenhaft für den motorisierten Individualverkehr zu erschließen und damit – so die Überzeugung – ein Höchstmaß an Erreichbarkeit zu erzielen, waren die Städte ab den 1960er Jahren für den privaten Autoverkehr umgestaltet worden. Das Auto in der Stadt ist eine Selbstverständlichkeit geblieben; erst ganz allmählich erobert sich das Fahrrad einen Platz in der Stadt; den Fußgängern bleibt oft nur die Fußgängerzone in der Innenstadt als derjenige Ort, wo das Zu-Fuß-Gehen Priorität hat.

Um die Vorherrschaft des Autos zurückzudrängen, wurden und werden in den Städten Maßnahmen umgesetzt, die einerseits die Nutzung des privaten Pkw unattraktiv machen und andererseits umweltschonende und vor allem weniger raumgreifenden Mobiltitätsalternativen bereitstellen und fördern. Dazu gehört neben dem klassischen öffentlichen Verkehr und dem Fahrrad die gemeinschaftlich Nutzung von Fahrzeugen, vor allem im Rahmen von Car- oder Ridesharing.

Die gleichzeitig wachsende Diskussion zur Um- und Neuverteilung des öffentlichen Raumes wird national und international begleitet von vielfältigen Experimenten, die den veränderten Stadtraum erlebbar machen und den Menschen einen unmittelbaren Eindruck davon geben, wie ein Weniger an Verkehr ein Mehr an Lebensqualität erzeugen kann. Anhand von Beispielen aus Deutschland und Europa zeigt der Vortrag, welche Ideen und Optionen hinter dem Begriff der "neuen Mobilitätskonzepte" stehen und welche Rahmenbedingungen für ihr Gelingen, vor allem aber für die erwartete Wirkung auf den öffentlichen Raum und den Verkehr in der Stadt notwendig sind.

Zur Person

Barbara Lenz war bis Anfang 2021 Direktorin des DLR-Instituts für Verkehrsforschung in Berlin. Gleichzeitig lehrte und forschte sie als Professorin für Verkehrsgeographie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Studium der Germanistik und Geographie hatte sie 1994 zur Regionalentwicklung im ländlichen Raum promoviert und sich 2001 zur Globalisierung von Wertschöpfungsketten habilitiert. Ihre jüngeren Forschungsschwerpunkte sind die Akzeptanz neuer Technologien im Verkehrssektor, insbesondere der Automatisierung, die Transformation des Verkehrssektors und informelle Verkehre in Entwicklungsländern.

Sie arbeitet seit Jahren in verschiedenen nationalen, europäischen und internationalen Gremien mit, so zum Beispiel beim 6. EU-US- Verkehrsforschungssymposiums "Sozioökonomische Auswirkungen automatisierter und vernetzter Fahrzeuge" im Jahr 2018, in der EU Transport Advisory Group sowie im EU Advisory Board on Gender Issues; derzeit ist sie Mitglied des EU Mission Board on Climate Neutral and Smart Cities. Seit 2019 leitet sie eine von sechs Arbeitsgruppen der Deutschen Nationalen Plattform für die Zukunft der Mobilität und ist itglied der Expertenkommission zum Monitoringbericht "Energie der Zukunft" der Bundesregierung.

2013 wurde sie von der Republik Frankreich für ihr Engagement in der transnationalen Forschungszusammenarbeit mit dem Verdienstorden "Chevalier dans l'Ordre National du Merite" ausgezeichnet.

Zum 1. April 2021 hat Barbara Lenz die Leitung des DLR Instituts für Verkehrsforschung an ihre Nachfolgerin, Prof. Meike Jipp, übergeben, bleibt aber aktiv in das DLR sowie in die akademische Forschung und Lehre an der Humboldt-Universität eingebunden und nimmt auch weiterhin Aufgaben in nationalen, europäischen und internationalen Gremien wahr.

DLR Institut für Verkehrsforschung

Das Institut für Verkehrsforschung in Berlin-Adlershof ist eines von vier Forschungsinstituten im Programmbereich Verkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Die Forschung des Berliner Instituts wird getragen von einer ganzheitlichen, systemischen Herangehensweise, die den Menschen als Akteur ins Zentrum der Betrachtung stellt.

Zu den zentralen Themen gehören das Verkehrsverhalten von Individuen und Haushalten, die Akzeptanz neuer Technologien und Mobilitätskonzepte, so bspw. auch das automatisierte Fahren, urbane Mobilität und Mobilität in der Peripherie der Städte, aber auch der Wirtschafts- und Güterverkehr innerstädtisch, national und international. Die analytische Kompetenz des Instituts beruht auf einem ausgeprägten Fachwissen sowie der langjährigen Erfahrung in der empirsichen Datenerfassung und -auswertung, so auch als wissenschaftlicher Partner für die große nationale Erhebung "Mobilität in Deutschland" des Bundesverkehrsministeriums und das Standardwerk zur Verkehrsstatistik, "Verkehr in Zahlen". Dies wird zunehmend ergänzt in der Kombination mit "Big Data" sowie durch neue Erhebungsmethoden, die im MovingLab des DLR entwickelt und getestet werden. Zur Wirkungsabschätzung und für den Blick auf künftige, mögliche Entwicklungen wurde im Institut eine "Modell-Landschaft" entwickelt, die sowohl kleinräumige innerstädtische oder Stadt-Umland-Fragestellungen zulässt als auch Fragen mit Bezug zur nationalen Ebene und zur Eibettung Deutschlands in den europäischen und globalen Kontext.