Stadtlabor Nürnberger Weststadt

Auftraggeber

Stadt Nürnberg
Wirtschaftsreferat
Amt für Wohnen und Stadtentwicklung

Laufzeit

2013

Kurzzusammenfassung

Die Nürnberger Weststadt verfügt über ein hohes Standort- und Entwicklungspotenzial, das sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht gute Voraussetzungen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen und lebenswerten Stadt bietet. Allerdings stellen sich der Erschließung der Entwicklungspotenziale zahlreiche Hindernisse in den Weg, welche nur durch ein zielorientiertes und koordiniertes Vorgehen in Stadtplanung und -entwicklung, Prozessorganisation und Akteursmanagement überwunden werden können. Im Unterschied zur herkömmlichen Planungspraxis nähert sich das Stadtlabor Nürnberger Weststadt der notwendigen Umgestaltung mit der Entwicklung langfristiger Herangehensweisen und Abschätzungsmethoden, welche die Auswahl der heutigen Maßnahmen qualifizieren: Basierend auf einer detaillierten Analyse der Ausgangslage werden drei positive Zukunftsvorstellungen für die Nürnberger Weststadt im Jahr 2050 antizipiert, um maßgeschneiderte Handlungsmöglichkeiten für die Transformation an konkreten Teilräumen identifizieren und modellhaft erproben zu können.

Die notwendigen Veränderungen in Energienachfrage-  und Energieangebotsstrukturen bieten Ansatzpunkte, die es zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen gilt. Im Ergebnis zeigen Zukunftsvorstellungen, Teilräumliche Betrachtungen und die Energieszenarien eindeutig, dass es in der Stadtplanung dringend einer Definition übergeordneter Ziele und daran ausgerichteter, konkreter Umsetzungsstrategien bedarf. Stadtentwicklung muss globale Trends antizipieren und vorausschauend agieren. „Business as Usual“ ist zu wenig und führt zur Anpassung, mit der weitere Entwicklungen einer nicht kalkulierten Ei-gendynamik überlassen werden. Künftig ist eine stärkere und auch qualitative Steuerung seitens der Stadt notwendig, die durch eine gezielte Bodenpolitik mit strategischem Grundstückskauf langfristige Perspektiven ermöglicht und damit ihren strategischen Handlungsspielraum vergrößert. Ungenutzt verstreichende Zeitfenster können negative Folgen für die bestehenden Chancen in der Nürnberger Weststadt haben. Mit den konkreten städtebaulichen Ausformulierungen in den Teilräumlichen Betrachtungen wurden an strategischen Orten Schlüsselprojekte identifiziert, die eine nachhaltige Stadt der Zukunft beispielhaft demonstrieren um bürgerschaftliches Engagement für den Umbauprozess anzuregen. Als Voraussetzung hierfür muss die Identifikation der Bewohner mit dem Quartier gefördert werden. Möglichkeiten dafür bietet die städtebauliche Inwertsetzung der industriellen Vergangenheit des Quartiers, die langfristig zu einer größeren Attraktivität des Standorts im gesamtstädtischen Kontext führt. Die Wohnqualitäten müssen verbessert und für breite Schichten attraktiv gestaltet werden, um mit einer ausreichenden Durchmischung der Bevölkerungsstruktur die Integration auch in benachbarte Quartiere zu fördern. Nutzungsmischung und Nutzungsdichte sollten unterstützt und verstärkt werden und damit wichtige Standorte als Zentralitäten in der Nürnberger Weststadt entwickelt werden. Strategisch programmierte Zwischennutzungen, wie auch solche für Kleingewerbe, tragen zur Attraktivität als Unternehmensstandort bei gleichzeitigem nachhaltigem Umgang mit den vorhandenen Ressourcen bei.

Die Aufenthaltsqualität in Frei- und Straßenräumen sollte zusammen mit der Schaffung neuer Grünräume und der Einbindung des Grün- und Erholungsraums der Pegnitz erhöht werden. Die stärkere Vernetzung der Freiräume sowie der Abbau von zahlreichen Barrieren bilden dafür wesentliche Voraussetzungen. Verbesserungsmöglichkeiten für das Stadtklima bietet die gleichzeitige Integration von neuen Bepflanzungs- und Bewirtschaftungskonzepten, welche Ihre Wirkung z.B. in den Bereichen Abkühlung der Stadträume und Oberflächenwassermanagment, bei gleichzeitig gesteigerter Umraum- und Verbindungsqualität im Quartier entfalten. In jedem Fall müssen die zahlreichen Barrieren abgebaut werden und ein neues, qualitätsvolles Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden. Insbesondere die Barrierewirkung der Fürther Straße bedarf langfristiger Lösungsansätze. Die Nahmobilität sollte generell aufgewertet werden, qualitätvoller Raum für neue Ressourcen schonende Mobilitätsformen geschaffen werden.  Für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen bestehen viele Ansatzpunkte in der Nürnberger Weststadt. Es sind massive Steigerungen in der Energieeffizienz erforderlich, um die Ziele im Energiekonzept der Bundesregierung und damit die notwendige Umgestaltung des Energiesystems erreichen zu können. Langfristige Sanierungsstrategien für Gebäude und Infrastruktur müssen zeitnah angelegt werden und können den Transformationsprozess positiv beeinflussen. Die Stadt Nürnberg sollte mir der Entwicklung eigener Immobilien die Vorreiterrolle einnehmen und als Anwalt für den Umbau zu einer nachhaltigen und lebenswerten Stadt sichtbar in Erscheinung treten.