Karbonatische Reservoire

Die genaue Beschreibung und Einordung der Fazies ist für die Höffigkeitsprognose einer geothermalen Tiefbohrung in karbonatischen Reservoiren von großer Bedeutung. Die Karbonatfazies gibt dabei den primären Ablagerungsraum der Kalksteine wieder, der durch weitere sekundäre Prozesse maßgeblich verändert wurde. Die Beschreibung der sekundären Prozesse erlaubt, das karbonatische Reservoir hinsichtlich seiner geologischen Historie genauer zu klassifizieren und in die Höffigkeitsprognosen mit einzubauen. Beispielsweise können diagenetische Vorgänge unter unterschiedlichen Druck- und Temperaturbedingungen die primäre Porosität verringern oder gar erhöhen. Die Arbeitsgruppe Geothermie der Technischen Universität München baut gerade diese Expertise mit hervorragenden Nachwuchswissenschaftlern auf. Mehr …


Forschungsvorhaben „kluftdominierte Aquifererschließung“

Das Projekt „Dolomitkluft“ umfasst die Erschließung, Tests und Analyse des ersten kluftdominierten Dolomitaquifers im tiefen Oberen Jura (Malm) des Molassebeckens. Dieses Projekt baut auf der bestehenden geothermischen Tiefbohrung Geretsried GEN-1 auf und wird durch eine neue Richtbohrung (Sidetrack) erweitert.

Dabei übernimmt die TUM die geomechanische und geotechnische Modellierung des Standorts sowie die Klassifizierung der Karbonatfazies und Diageneseentwicklung des Malmreservoirs. Die Karbonatfazies beschreibt den primären Ablagerungsraum und damit auch die primäre Porosität, die durch sekundäre Prozesse stark verändert werden kann. Dabei wird die TUM vom Experten Herrn Prof. Dr. Koch (Universität Erlangen) wissenschaftlich begleitet. Die Eignung des Speichergesteins und der Störungszone soll durch verschiedene felsmechanische Test der Matrix und Störungen geprüft werden, sowie über Modellierung abgebildet werden. Ziel ist es durch das Projekt die geothermischen Potentiale des südlichen Molassebeckens in Zukunft wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Das Forschungsvorhaben wird in einem Verbund mit den folgenden Partnern durchgeführt: Enex Geothermieprojekt Geretsried Nord GmbH & Co. KG, Geothermie Neubrandenburg GmbH, G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft GmbH und Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (Projekthomepage). Das Verbundprojekt „Dolomitkluft“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit dem Projektkennzeichen 02E2-41V7378 gefördert.

Kontakt: Prof. Dr. K. Thuro


Verbundforschungsvorhaben der Geothermie-Allianz Bayern

Ziel der Geothermie-Allianz Bayern (GAB) ist die Förderung und die Vernetzung der Geothermie-Forschung an den großen bayerischen Universitäten. Die Arbeitsgruppe Geothermie des Lehrstuhls für Ingenieurgeologie der Technischen Universität München ist in zwei der fünf Teilprojekte vertreten.

Im Teilprojekt „Reservoircharakterisierung“ werten wir mit Projektpartnern Bohrdaten von bereits vorliegenden Geothermiebohrungen hinsichtlich der lokalen Spannungssituation um das Bohrloch aus. Ebenso arbeiten wir an der geomechanischen Charakterisierung von Störungszonen sowie an dem geologischen-seismischen Referenzmodell für das südliche Molassebecken mit. Durch gezielte Untersuchungen der Reservoireigenschaften soll das Risiko für eine geothermische Fündigkeit im süddeutschen Molassebecken reduziert und Unsicherheiten im Reservoir-Engineering sowie im Langzeitbetrieb der Geothermie-Anlagen minimiert werden.

Im Teilprojekt „PetroTherm“ ermitteln wir mit den Projektpartnern die Spannungszustände im Zielgebiet des petrothermalen Vorhabens im Raum Bamberg-Coburg. Über numerische Modellierungsansätze soll geklärt werden, in welchen Bereichen des Untersuchungsgebietes bei Stimulationsmaßnahmen vorrangig mit dem Auftreten von hydraulisch wegsamen Trennflächen definierter Orientierung zu rechnen ist.

Um die Datenbasis der mechanischen Eigenschaften repräsentativer Gesteinstypen in den beiden Teilprojekten zu vervollständigen, werden im Felslabor des Lehrstuhls für Ingenieurgeologie Testreihen durchgeführt. Diese felsmechanisch-geomechanischen Inputparameter des oberen Weißen Juras dienen der geomechanischen Modellierung.

Am Forschungsverbund sind sieben Lehrstühle, Nachwuchsforschergruppen und Arbeitsgruppen der Technischen Universität München (TUM) beteiligt, sowie das GeoZentrum Nordbayern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und ein Lehrstuhl der Universität Bayreuth. Die Projektkoordination findet an der Munich School of Engineering (MSE) der TUM statt. Das Verbundforschungsvorhaben wird vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst gefördert.

Kontakt: Prof. Dr. K. Thuro, M.Sc. Martin Potten